| Schlagquartett Köln |
|
|
|
|
|
|
|
|
Nicolaus A. HuberNicolaus A. Huber absolvierte von 1958 bis 1962 ein Studium der Schulmusik mit Hauptfach Klavier in München. Noch während seines Referendariats begann er mit dem Kompositionsstudium zuächst bei Franz Xaver Lehner, das er später bei Günter Bialas fortführte. Wichtig waren in dieser Zeit auch die Arbeit mit Josef Anton Riedl im elektronischen Studio München und ein Kompositionskurs bei Karlheinz Stockhausen in Darmstadt. Nachhaltig geprägt aber haben Huber die Kompositionsstudien bei Luigi Nono in Venedig 1967/68. Die Uraufführung des Streichquartetts "Informationen über die Töne e-f" beim ersten Allgemeinen Deutschen Musikfest 1967 in München verschafften Huber erste Beachtung in der Öffentlichkeit. Herbstfestival (1988)...und selten lärmet die Lüfte wehen Friedrich Hölderlin, "der Herbst" Eine insistierende herbstliche Landschaft. Ausgangspunkt für "Herbstfestival". Es war schwer, in die rhythmischen Verwebungen der äusserst leisen Ereignisse einzudringen, vor allem eines davon als Anfang zu bestimmen. Ich versuchte mit der Stoppuhr künstliche Zeitausschnitte zu markieren, um die enthaltene Polyphonie besser studieren zu können. Aber Struktur und Erlebnisart dieser Herbstklänge deckten sich überhaupt nicht mit meinen kompositorischen Wiedergabebedürfnissen. Die auf mich zukommende Klangnatur musste in eine Musiklandschaft von Fellen, Hölzern, Metallen und klangerzeugenden Bewegungen transformiert werden. Das Stück ist wie ein Gedicht in Zeilen aufgegliedert. Die Zeilenketten
sind so angelegt, dass trotz logischer Folge der Farbsets sozusagen ins Unübersichtliche
gezählt wird. Aufgrund der Nichtproportionalität von Zeilenlänge
und Ereignisdichte pro Zeile entsteht aus der sich steigernden Pressung eine
polyphone Ineinanderschiebung, die sich auf Ihrem Höhepunkt zugleich aus
Poly- in Monochromie gewandelt hat. Aus solcher Fluidität wächst die
19minütige Crescendostruktur der Komposition. Sie lässt Entfernung
in eigenartig erlebbare Musik-Nähe umschlagen. Die Komposition verzichtet
auf aufrüttelnde Reklame für ihre Klangerlebnisse, sie braucht offenes,
entspannt-aufmerksames, zulassendes Hören. Clash Music (1988)Wer liebt nicht die zauberhafte Welt der mechanischen Musikinstrumente, ihr mechanisches Musiktheater mit Trommeln und Becken, die mit Schlegeln wie von unsichtbarer Hand bewegt zum Rhythmus getrieben werden oder mit lebensgetreu nachgebildeten Figuren, deren Finger sich im Klangtempo bewegen, die mit ihren Augen blinzeln, lächeln und sich sogar verbeugen können? Barong Des Méduses für drei Schlagzeuger (2005)Titel repräsentieren immer mein eigenes Nachdenken über das Stück.So ist BARONG nicht eine altpreußische Französischverballhornung von "Baron" Méduse, einer Erfindung des wunderbar präzisen Erik Satie, sondern bezieht sich auf das balinesische Tanzspiel gleichen Namens. Barong ist die dunkelste und zugleich vertrauteste Gestalt der balinesischen Bühne und jede Aufführung ist voller unvorhersehbarer Risiken. Zwei Männer tanzen diese Figur in Löwenmaske. Das in Trance-Fallen ist dabei besonders gefährlich: einmal geriet ein Spieler derart in Trance, dass er aus seiner Maske herausgeschnitten werden mußte. Solche Zweiheit spiegelt sich auch im Instrumentengebrauch. Viele kleine Becken sind umgedreht und sich überlagernd auf ein Brett montiert und werden mit zwei ebensolchen Becken bespielt. Jedes Becken ist zudem in sich verstimmt, klafft schwebungsreich auseinander. Dem steht Saties Le Piège de Méduse gegenüber. Die Falle ist die Frage des Barons: "Können Sie auf einem Auge tanzen?" Das "Nein" des Astolfo steht für intellektuelles "unschuldiges" Weiß, die Qualle ist acéphale, kopflos. Und die Musik Saties sind ausschließlich Tänze für einen von Meisterhand ausgestopften Affen, der Jonas (der im Walbauch eingeschlossene Prophet) heißt, immer noch das Beste (ES) von uns allen ist und uns beobachtet. Wie der Anblick der Medusa einen erstarren ließ, ist Saties Musik wie ein erstarrtes Möbelstück. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
| von HYPERWERK 2002 |
|