|
|
|
Michael Rook (*1968)
wurde in Düsseldorf geboren und ging nach dem Abitur 1988 als Stipendiat an das "Oberlin Conservatory of Music" in Oberlin, Ohio, und Studierte dort Komposition bei Edward Miller und Richard Hoffmann, ihrerseits Blacher und Schönberg- Schüler. Nach dem Erwerb des "Bachelor of Music" vom Oberlin Conservatory erhielt er ein Stipendium, um an der "University of Washington" in Seattle bei Joël François Durand, der in Freiburg Schüler von Brian Ferneyhough war, Kompostition zu Studieren. 1998 hat er das "Masters of Music" bestanden, und ist z.Z. Doktorand im Fach Komposition an der University of Washington in Seattle.
1986 und 1988 war er Preisträger im NRW-Wettbewerb "Jugend Komponiert", und 1991 wurde er vom "Forum Junger deutscher Komponisten" ausgezeichnet.
1990 und '91 vertrat er das "Oberlin College" bei dem "Midwest Composer Symposium".
1996 und 1998 nahm er an den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik
teil, wo seine Klaviermusik gespielt wurde. Dort hatte er Unterricht u.a. bei
Brian Ferneyhough, Magnus Lindberg, Toshio Hosokawa, Lucca Lombardi, Paul-Heinz
Dittrich, Gerald Eckert und Gerhard Stäbler. 1997 und 98 nahm er an dem
Brandenburgischen Colloquium für Neue Musik in Rheinsberg teil, wo er u.a.
Unterricht bei Paul-Heinz Dittrich und Gerhard Stäbler hatte. In Rheinsberg
wurde seine Klaviermusik und Duos für Oboe und Klavier aufgeführt.
Seine Klaviermusik wurde auch beim diesjährigen "June in Buffalo"-Festival
in New York aufgeführt. Nebst Aufführungen in Deutschland und den
USA wurde seine Musik auch in den USA und in der Ukraine im Rundfunk übertragen
Abgestempelt (1999)
Im deutschen Volksliedgut des 19Jh. gibt es Beispiele für die Vertonung
des Wanderns (Das Wandern ist des Müllers Lust), oder des Posttransportwesens
(Hoch auf dem gelben Wagen), und, nebst Liebesliedern, auch solche, die sich
mit dem Lebensunterhalt befassen. Leider gibt es meines Wissens nach keinen
Hinweis auf den Volksport schlechthin, dem Stempeln. Dabei gehen Millionen von
uns tagtäglich dieser erlauchten, kraftspendenden, und leider unterschätzten
Betätigung nach, unbeirrt von etwaigen gesellschaftlichen und politischen
Trends, was wiederum beweist, wie sehr das Stempeln uns wesensimmanent ist.
Der Stempel ist uns Beweis für Authentizität, Garant von Klarheit
und Ordnung. Das egalitäre Element dessen ist, dass der Abstempelbefähigungserwerb
weitestgehend von sozio-ökonomischer oder bildungstechnischer Provenienz
unabhängig ist. Es hat sich im Laufe der Zeit eine stempellose Form des
Stempelns entwickelt, die dem Stempelsport einen überaus geselligen Charakter
gibt, und die, psychologisch wichtig-, gleichzeitig das Wir-Gefühl stärkt.
Zu dieser Form des Abstempelns bedarf es lediglich zwei Gleichgesinnter und
eines Aussenseiters, und ist daher dementsprechend weit verbreitet; auch in
anderen Ländern hat sich dieser Volkssport etabliert, allerdings meist
nur auf Drittligisten-Rang. Umso erstaunlicher ist es, dass es keinen Hinweis
auf das Abstempeln in der Musikliteratur gibt. Ich habe mich entschlossen, mit
diesem Stück diesen Misstand zu beseitigen, und gleichzeitig den Musikern
die Chance zu geben, auch mal etwas abzustempeln.
Dieses Stück gehört zu einem Zyklus von Stücken (work in progress), die das gleiche Grundmaterial besitzen und so komponiert sind, das die einzelnen Stücke jeweils als Solostück und als Teil eines grösseren Ganzen (Duo, Trio, etc.) gespielt werden können.
In der Physik existiert das Konzept vom "Schwarzen Loch", welches Licht, Masse,
Dichte, und Zeit "verschluckt" und verzerrt, bis eine "Quanten-Singularität"
entsteht, ein Zustand von immenser Dichte und extrem kleiner Fläche; es
ist allerdings unklar, was in dieser Singularität vor sich geht. Eine Theorie
besagt, dass wenn zwei dieser Schwarzen Löcher aneinandergereiht werden
könnten, entstünde ein "Wormhole", was wiederum als "Tür" zu
einer Anderen zeitlichen und räumlichen Ebene fungiert. Die "Überlistung"
der Zeit ist für mich ein faszinierender Gedanke, da Musik in der Zeit
existiert, und diese Zeit schreitet unerbittlich fort.
Dieses Stück wurde von einem Gerüst abgeleitet, wo Tonhöhen spiralförmig
um Zeitliche "Fixpunkte" kreisen, bis diese sich dem "Fixpunkt" angenähert
haben. Für dieses Stück wurden die Tonhöhen durch rhythmische
Proportionen ersetzt, die über verschieden lange, aber zueinander proportionale
Zeitdauern gespielt werden. Es ergeben sich Phrasen, in denen beide Musiker
auseinanderdriften, und wieder zusammenfinden, jedoch auf unterschiedliche Art.
Innerhalb dieser Phrasen kommt es zu Überlagerungen, die ihrerseits z.B.
kanonische oder imitative Funktion haben, und als Vergrösserung oder Verkleinerung
des Materials anderer Phrasen in Erscheinung treten. Eine allmähliche rhythmische
Verdichtung findet statt, bis die Musik in sich zusammenbricht....
Michael Rook
Uraufführung am 22. Mai 1999 in Duisburg, Schlagquartett Köln
|
|